Ein Winzling im Haus
Sobald das Kind im Haus erwacht,
die holden Äuglein aufgemacht
und lächelt forh und wonnigsüß, so ist's der Mutter Morgenstern,
ihr Hmmel und ihr Paradies,
ihr Sorgen und ihr Dank dem Herrn.
Das Kind im Haus- erhellt es nciht
des Vaters ernstes Angesicht?
Es lacht ihm, wenn er kommt nach Haus,
und streckt die kleinen Händchen aus.
Die Brüder, die schon größer sind,
sind gerne bei dem kleinen Kind;
sie hoffen, dass es fleißg lern',
und was es will, das tun sie gern.
Die Magd bleibt bei dem Kinde stehen,
anstatt ihr Geschäft zu gehen,
sie gibt ihm einen derben Kuß,
so dass es beinah weinen muss.
Sein erster Laut, sein' erste Bitt,
und was es lallt, sein ganz Sanskrit,
wird bald im Hause gang und gäbe;
sogar die blinde Alte glaubt,
dass mit dem Kinde um ihr Haupt
ein holder Engel niederschwebe.
Aufs Kindlein aus dem Käfig blickt
der Vogel, wenn er Körner pickt;
sogar das Kätzlein und der Hund
sind mit dem kleinen Kind im Bund.
Hermann von Lingg
Gedicht zur Geburt